Alleebaumsichtung an der LVA Quedlinburg

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Baumschulbetriebe des Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung

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Stammschutz mit Naturmaterialien

1. Jutebandagen und Jutegurte

Mit den Jutematerialien kann der gesamte Stammbereich vom Wurzelhals bis zum Kronenansatz und darüber hinaus umwickelt werden. In der Fachliteratur wird diese Methode besonders bei Frühjahrspflanzung von großen Pflanzqualitäten zum Schutz der jungen Rinde bzw. des Kambiums empfohlen.

Die Haltbarkeit der Jutewickelstreifen ist sehr begrenzt. Ab dem 2. Standjahr wird das Material durch beginnendes Dickenwachstum zunehmend zerstört. Die Jutegurtbandagen halten i.d.R. länger als 2 Vegetationsperioden.

Als sehr problematisch ist die Aufheizung der jungen Rinde unter dem Stammschutz an der sonnen- zugewandten Seite einzuschätzen. Die Temperaturmessungen direkt an der Rinde erbrachten gegenüber der ungeschützten Kontrolle bis zu 16 °C höhere Werte. Ein überlappender Einbau der Jutebänder verstärkte den Aufheizeffekt. Gleiches gilt für die fest gewebten und noch dickeren Jutegurtbandagen. Die Folgen beider Materialien waren Rindenaufplatzungen und Rindenrisse bis hin zum Stammbruch einzelner Bäume, z.B. bei Ahorn und Erlen.

Durch ein zusätzliches Einstreichen der Jutebandage mit “LacBalsam” wurden die höchsten Temperaturen aller Varianten gemessen (Maximalwert: 53°C, siehe Tabellen 1 & 2). Der Anstrich bildet mit der Jute einen mehr oder weniger festen dauerhaften Panzer. Bei Verwendung baumweißender Mittel anstelle des LacBalsam's lagen die Temperaturen im Vergleich zur Kontrolle etwas niedriger, aber immer noch stark erhöht.

Das Einstreichen der Rinde mit den reinen baumweißenden Mitteln macht nur bei rauhrindigen Jungbäumen Sinn, wie z.B. bei Corylus colurna. Bei allen anderen reicht die Haftung nicht aus, so dass bereits nach den ersten Niederschlägen nur noch Produktreste, vor allem an der Wetterseite, vorhanden sind. Eine gesicherte Temperaturmessung war bisher nicht möglich.

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2. Kokosmanschetten

Die gitterartigen Manschetten aus Kokosband sind in zwei Längen und Breiten vorkonfektioniert im Handel. Ihre Einbauzeit ist die höchste aller Stammschutzmaterialien, weil das Produkt mit einem Kokosfaserband von Hand vernäht werden muss. Da das Fabrikat nicht formstabil ist und nur locker um den Stamm gelegt eingebaut werden kann, rutscht es nach kurzer Zeit um ca. 20 % in sich zusammen. Bei Dickenwachstum des Baumes reißt der Kokosfaden und das Material fällt ab. Aufgrund dieser Eigenschaften sind Kokosmanschetten nur als Fraß- und Fegeschutz in der Landschaft geeignet. Erhöhte Temperaturen wurden bei lockerem Sitz des Produktes nicht festgestellt.

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3. Schilfrohrmatten

Die Schilfrohrmatte hat sich von allen geprüften Materialien bisher als bester Stammschutz erwiesen. Neben einem geeigneten Verbissschutz wird die junge Rinde v. a. an vollsonnigen Tagen vor Überhitzung geschützt. Die Maximaltemperaturen unter der Rohrmatte lagen an der Südseite gegenüber der Kontrolle ganzjährig in einer kleineren Amplitude (zur Kontrolle bis zu 12 °C weniger , siehe Tabellen 1 & 2 ). Auch an der Nordseite lagen die Maximaltemperaturen um bis zu 3 °C niedriger. Die Rohrmatte kann wie alle geprüften Materialien die nächtlichen Tiefsttemperaturen kaum mildern, wohl aber einstrahlende Sonnenwärme durch Luft- und Lichtzirkulation mindern. Unter Rohrmatten wurden bisher bei keiner Baumart Rindenrisse festgestellt.

Ihr Einbau ist problemlos und sollte an Stammhöhe und -umfang angepasst erfolgen, um den gesamten Stammbereich zu umhüllen. Ein positiver Nebeneffekt der Rohrmatte besteht darin, dass die Baumbindungen bei frisch gepflanzten Bäumen nicht am Stamm herunterrutschen können, wenn sie oberhalb der Rohrmatte am Kronenansatz eingebaut sind und aufliegen. Wenn durch Aufastung im Straßenbereich der Kronenansatz höher liegt, sollten bei gefährdeten Baumarten auch diese Stammbereiche geschützt werden.

Um einen Rindenschutz über viele Jahre hinweg zu ermöglichen, muss zum einen die Rohrmatte locker um den Stamm gelegt werden und an der Nordseite um bis zu 1/3 des Stammumfanges überlappen. An der Ost-, Süd- und Westseite des Stammes darf die Rohrmatte nur einlagig eingebaut sein, damit eine gute Luft- und Lichtzirkulation gewährleistet bleibt. Entsprechend des Dickenwachstums des Baumes kann über Jahre hinweg sukzessiv nachgegeben werden. Als Befestigungsmittel für die Rohrmatte haben sich Schnellbinder (Durchziehschlaufe mit Zahnsperre) bewährt. Dadurch sind jederzeit gute Kontroll- und Pflegemöglichkeiten des Stammes gegeben. In der Praxis wird häufig Draht verwendet, um das unbefugte Öffnen zu erschweren. Baumbindungen sollte man nicht über die Rohrmatte einbauen, da Pflege und Kontrolle unnötig behindert werden bzw. in der Praxis dann nicht erfolgen. Beim Kauf von Rohrmatten muss auf die Verarbeitung geachtet werden. Als Verbundmaterial sind Kokosfaserbänder oder Bindedraht geeignet, synthetische Fäden halten bei intensiver Sonneneinstrahlung nur 2 Jahre.

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Stammschutz mit synthetischen Stoffen

1. Drahtgeflechte

Drahtgeflechte verschiedenster Art und Maschenweite werden als sogenannte ”Drahthosen” als reiner mechanischer Fraß- bzw. Fegeschutz häufig verwendet. Hinsichtlich der Temperaturverhältnisse auf der Baumrinde haben sie keinen signifikanten Einfluss. Ihre Einbauhöhen variieren zwischen 0,60 m und 1,50 m. Gemäß des Standardleistungskataloges für den Straßenbau müssen diese Schutzvorrichtungen 10 cm tief in den Boden eingelassen und verankert sowie mindestens an einem Baumpfahl sicher fixiert werden. Bei Pfahlbruch durch Fäulnis oder Abbau der Verankerungspfähle nach 2 bis 3 Jahren entfällt somit der Fraßschutz. In der Regel ist dies für den Jungbaum zu früh. Als nachteilig erweisen sich bei diesen Schutzeinrichtungen die schlechten Pflegemöglich­keiten des Stammes und der Baumscheibe. Die fachgerechte Entfernung von Stamm- und Stockausschlägen sowie des Wildwuchses sind schwierig und zeitaufwendig.

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2. Kunststoffmanschetten und –spiralen

Gute mechanische Stammschutzeigenschaften gewährleisten einteilige Baum- und Fegeschutzmanschetten (Klapp-Fix) sowie verschiedenfarbige Wildschutz- und Baumspiralen. Aber je dünner die Wandstärke des verwendeten Kunststoffes bzw. Recycling-Kunststoffes ist, desto häufiger und leichter wird das gesamte Produkt bei Windlast weggeweht und desto schneller verspröden die Materialien bei intensiver Sonneneinstrahlung. Die Materialstärken liegen produktabhängig zwischen 0,4 und 1,1 mm. Baummanschetten können darüber hinaus die junge Rinde beschädigen, wenn sie bei zu starken Jungbäumen angelegt oder zu spät entfernt werden. Durch Spreizung der Man­schette scheuern die relativ scharfen Kanten v. a. am dickeren Stammfuß. Die kleineren Manschetten sind nur bis zu einem Stammumfang (STU) am Stammfuß von 18 cm, die größeren bis 25 cm STU verletzungsfrei einsetzbar. Der gravierendste Nachteil enganliegender synthetischer Stammschützer besteht in der zeitweilig starken Aufheizung von Rindenabschnitten auf der Südseite der Bäume unter dem Material, insbesondere an vollsonnigen windstillen Tagen.

Durch umfangreiche Meßreihen konnten an entsprechenden Winter- und Frühlingstagen bis zu 16 °C höhere Maximaltemperaturen auf der Rinde gegenüber ungeschützter Kontroll­bäume ermittelt werden (siehe Tabellen 1 & 2). Je dichter und großflächiger der Stammschutz anliegt, desto stärker war die Erwärmung der Rinde. Die sichtbaren Folgen sind rissige Rindenbilder, die sich scharf zu darüberliegenden ungeschützten Stammteilen abgrenzen, sowie verstärkte Lentizellenausprägung. An zahlreichen Versuchsstandorten kam es bei Berg- und Spitzahorn sowie an Eschen und Erlen zu Aufplatzungen der Rinde und Rissbildungen in diesem Stammbereich. Die tatsächlichen Auswirkungen zeigen sich oft erst in der Wachstumsphase der nachfolgenden Vegetationsperiode. Einzelne geschädigte, aber voll belaubte Bäume brachen bei Sturm an diesen Stellen ab.

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3. Synthetische Bandagen

Kunststoffgeflechte, Schälschutznetze und Wuchshüllen aus PVC, Polyäthylen oder -propylen, die ebenfalls nur als Fraß- und Fegeschutz vorgesehen sind, beginnen einerseits bereits im Verlauf der 2. Vegetationsperiode zu verspröden (z.B. POLY-Net) und werden zunehmend funktionslos. Andererseits sind die gleichen Aufheizeffekte wie unter Jutebandagen oder Kunststoffmanschetten feststellbar. Aus den aufgezeigten Gründen können weder Jutematerialien, noch die anderen geprüften unverrottbaren Fabrikate für den ungeschützten Straßenbereich empfohlen werden. Inwieweit Baumanstriche mit zusätzlichen Haftmitteln erfolgversprechend einzusetzen sind, wird derzeitig untersucht.

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